Business Intelligence: Langfristige Partnerschaft Anwender+SI+Hersteller

So. Nun zum abschließenden Teil meiner Erörterung der neuen Rolle von Systemintegratoren im BI-Consulting-Geschäft.
Ich war dabei, meine Beobachtungen zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen:

Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen: „Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird.“ – Offenbar sind Anbieter kleinerer, schnell implementierter BI-Lösungen, mit nachweisbarem Business Value erfolgreich, ihre „Musik“ wird zunehmend „gespielt“, zum Teil mit erheblichem Nachteil im Hinblick auf Aspekte wie BI-Betrieb, Compliance, Standardisierung usw., also u.U. zum Ärger der IT-Abteilung, die ungern einen Zoo unterschiedlichster Fachabteilungslösungen betreiben und supporten kann und will. Dennoch ist die Lösung nicht so einfach: Zwar kennen viele IT-Abteilungen das eigene Geschäftsfeld ganz genau, sind dennoch so dem Tagesgeschäft, der Betriebs- und Supportbürde verhaftet, dass sie es entweder nicht schaffen die Business-Anforderungen angemessen in tragfähige BI-Lösungen zu transformieren, bzw. die bereitgestellte Infrastruktur angemessen zu promoten, sodass sie akzeptiert und breitflächig sinnvoll eingesetzt wird. Rolle des SI hierbei: „Vermittler zwischen Fachabteilung und IT“, Partner der Fachabteilung beim Anforderungsmanagement, Partner der IT bei der Promotion der gemeinsam implementierten (oder zu implementierenden) BI-Lösungslandschaft.

Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung: Der klassische Weg (Longlist, Shortlist, PoC, Kostenvergleich) langt nicht aus. Der Business-Value ist nicht Betrachtungsgegenstand. M.E. sollten nicht Produkte, sondern Lösungen verglichen werden. Eine Lösung entsteht durch Umsetzung von Kundenbedürfnissen mit Hilfe von BI-Software durch einen SI. Insofern muss die Evaluierung die SW (Features, Kosten), die Fähigkeiten des Anbieters (Service, Support), die Fähigkeiten des SI (Erfahrung, Kundenverständnis, technische und methodische Skills) vergleichen. Der SI ist also Teil der Lösung und insofern gleichermaßen bedeutsam für Anwenderunternehmen wie auch SW-Anbieter. M.E. sollten Anwenderunternehmen und SI eine tragfähige langfristige Partnerschaft eingehen, dies fördert das Vertrauen und gegenseitige Verständnis (u.a. für den individuellen Wettbewerbsvorteil des Anwenderunternehmens – wichtig für beide Parteien!). Der SI ist hier aus Sicht der Anwenderunternehmen der persönliche Lösungspartner.

Schlussfolgerung – Alle Parteien profitieren von einer langfristigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit: Der SW-Anbieter profitiert von der Kundenkenntnis des SI, der Kunde profitiert vom Verständnis des SI von seinem Geschäft. Der SI profitiert von einer fairen Partnerschaft (durch frühe faire Involvierung) mit dem SW-Anbieter, dass heisst aber auch, das der Anbieter unnötigen Wettbewerb (entweder durch eine eigene breit aufgestellte SI-Abteilung, oder durch Standardsoftware für BI) vermeiden sollte.

Erfolgreiche BI-Projekte laufen schon jetzt und vor allem in Zukunft nach diesem Win-Win-Win-Schema.


Business-Intelligence: Das Role Model von SIs

So… es in an der Zeit, meine Erörterung: Die „neue Rolle“ von Systemintegratoren (SIs) und BI-Beratern fortzusetzen, zuletzt hatte ich von folgenden Beobachtungen berichtet:

  • BI-Ausgaben gehen Richtung SIs
  • Hoher Integrationsbedarf
  • Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen
  • Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung

Meiner Meinung kann man daran das Role Model für erfolgreiche SIs oder BI-Beratungshäuser sowie insbesondere auch für das Zusammenspiel zwischen Anwenderunternehmen, SI und BI-Software-Anbieter ableiten – dies werde ich in folgenden Einträgen in diesem Blog versuchen.

Dazu kurz ein wenig Historie: Wie funktioniert(e) denn das BI-Geschäft aus Sicht der Anbieter? Klar: Der Kunde (hier die IT!) kauft BI-Software nach vorheriger Evaluierung anhand Features/Functions/Erstinvestition. Anschließend kommt der sog. SI alter Machart ins Spiel, quasi als Implementierungspartner mit Technologie- und Produkt Know-How und implementiert für den Anwender eine Lösung auf Basis der gekauften Produkte (ggf. sogar mehrerer Anbieter, daher auch System Integrator).

Ja so schön einfach war das einmal. Heutzutage ist es aber so, dass die Produkte immer ähnlicher werden, kaum Differenzierung via Features/Functions, noch nicht einmal über den Preis, möglich ist. Und plötzlich fragt das Anwenderunternehmen auch noch nach einem Wertbeitrag fürs Business, den ein BI-Produkt bzw. eine damit implementierte Lösung erbringen muss – und somit gerät das klassische Verkaufsmodell ins Wanken. Was muss sich also ändern, damit wir Anwender, SIs und BI-SW-Anbieter wieder gemeinsam erfolgreich agieren? Dies möchte ich aus den oben getätigten Beobachtungen herleiten:

BI-Ausgaben gehen Richtung SIs – Der Anwender erwartet offenbar mehr, als „lediglich“ die Bereitstellung einer Plattform mit Funktionen und Rahmenwerken, die zwar eine gute Grundlage als Bau- und Werkzeugkasten bietet, aber an sich zunächst einmal keinen geschäftlichen Vorteil bietet. Einige SW-Anbieter begegnen dieser Forderung mit sog. BI-Apps o. BI-Content, als sog. Best Practices, die bestimmte analytische Problemstellungen in Produktform zu lösen versuchen – also Standardsoftware für BI-Nutzung. Ich bin kein Befürworter dieses Ansatzes, denn entweder sind diese „Best Practices“ zu allgemein oder zu eng gefasst (Variante Schmalspur), sodass sie den spezifischen Nutzen – den Wettbewerbsvorteil im analytischen Geschehen – nicht erbringen, oder sie sind so generisch, dass die spezifischen Nutzen zwar erbringen könnten, dafür aber zunächst einmal erheblich angepasst/komprimiert/integriert werden müssten (Variante Eierlegendewollmilchsau). Letzteres ist dann auch alles andere als leichtgewichtig (ok – hier kein Exkurs zu Agile BI, evtl. in einem folgenden Blog-Eintrag). Die Ausgaben gehen m.E. deswegen an die SIs, da diese dafür Sorge tragen (müssen), dass der nötige geschäftliche Nutzen erbracht wird. Und dieser entsteht genau dann, wenn die individuellen analytischen Fragestellungen des Anwenderunternehmens mit seinen spezifischen Geschäftsprozessen und seinem individuellen Wettwerbsvorteil – auch und gerade im analytischen Geschehen – mit Hilfe eines SI umgesetzt werden. Der SI kennt dabei genau die Kundenbranche, den Kunden, seine Herausforderungen und individuelle Wettbewerbsvorteile. Der SI ist aus Sicht des SW-Anbieters also der „Kundenversteher“.

Hoher Integrationsbedarf – Trotz der seit Jahren andauernden Marktkonsolidierung und der sich herauskristallisierenden Mega Vendor Stacks ist der tatsächliche Integrationsbedarf in den Projekten der Anwenderunternehmen immer noch erheblich – so zumindest meine Einschätzung aus unseren Kundenprojekten, sicherlich keine Mindermeinung. Selbst innerhalb der sog. BI-Plattformen existiert in der Praxis dieser Integrationsbedarf, denn die per Anbietermarketing proklamierte Integrationsdichte der zusammengekauften Produktkomponenten ist m.E. noch nicht erreicht – im Gegenteil, so manch ein Stack wird von Release zu Release durch neue Komponenten immer komplexer, breiter (alle Spielarten von BI) sowie tiefer und mehrschichtiger (von der HW bis zur Fachabteilungslösung). Zudem ist es in Echtweltprojekten so, dass noch vielfältige Altlösungen, zumindest doch vielfältige Quellen, sowie durch die Konvergenz mit dem operativen Geschäft beliebige operative Anwendungen zu integrieren sind. Diese Komplexität der Integration innerhalb eines Anbieter-Stacks und zwischen den unterschiedlichen Anbietern kann kaum ein Anwenderunternehmen in Gänze beherrschen. Vereinfacht ist aus Sicht des Anwenderunternehmens der SI also der „BI-SW-Anbieterversteher“.

Die weiteren Aspekte

  • Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen
  • Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung

vertiefe ich im dritten und letzten Teil dieser Reihe.



Business-Intelligence: Die „neue Rolle“ von Systemintegratoren (SIs) und BI-Beratern

Ich war kürzlich auf dem alljährlichen Gartner BI Summit in London. In den Sessions, die ich besucht habe, tauchten wieder einmal die üblichen Themen auf, die schon seit Jahren die Hauptproblemdomäne von Echtwelt-BI-Projekten bilden: Business vs. IT, BICC als Heiliger Gral (aber bitte mit Business-Involvierung), Datenqualität usw. Soweit nichts Neues. In Summe und zwischen den Zeilen ist mir aber dennoch ein neues Muster aufgefallen, das im Übrigen auch noch zu einem meiner letzten Blog-Einträge passt:

Die „neue Rolle“ von Systemintegratoren (SIs) und BI-Beratern

Bei der Paneldiskussion der BI-Hersteller ist mir bspw. aufgefallen, dass zwar das Publikum (im übrigen nette Interaktion: Erhebung via Farbkarten!) überwiegend der Meinung war, dass BI-Ausgaben zukünftig eher auf Systemintegratoren entfallen (im Gegensatz zu den direkten Ausgaben für Software, die an Hersteller gehen). Die anwesenden Hersteller waren dagegen bisweilen kontroverser Ansicht. Eine spätere Session, die sich dediziert mit Service-Providern auseinandergesetzte, bestätigte die Publikumsansicht: Demnach würden die Investitionen tatsächlich zunehmend an die Systemintegratoren gehen– Grund genug für mich, in diesem Blog herauszuarbeiten, warum das so ist, bzw. so sein sollte.

Eine ähnlich diskussionswürdige Ansicht im Rahmen der Panel-Diskussion vertraten einige Hersteller im Hinblick auf den Integrationsbedarf der BI-Lösungen, der – so die Meinung – als gering einzustufen sei. Aus dem Publikum twitterte ein Anwender daraufhin m. E. zu Recht: „Please Wake Up!“. Dem kann ich nur zustimmen: Der Integrationsbedarf erscheint auch mir immer noch enorm, trotz Marktkonsolidierung und angeblich durch-integrierter Mega Vendor Stacks.

Ein weiteres Motiv, das in unterschiedlichen Sessions angerissen wurde, ist die Investitionspolitik der Anwenderunternehmen. Demnach ist wohl durchaus der Trend zu verspüren, dass größere BI-Investitionen eher durch die Fachseite und weniger durch die IT getätigt oder zumindest legitimiert werden. Diesen Trend kann ich durchaus aus der Praxis bestätigen – im angloamerikanischen Raum gibt’s dafür auf die passenden Akronyme: „CapEx vs. OpEx“ (Capital Expenditure vs. Operational Expenditure), tendenziell verfügt die IT lediglich noch über OpEx, echte Investition (CapEx) erfolgen dagegen durch (oder aber niemals ohne) die Fachabteilungen. Der eine oder andere IT-lastige BI-SW-Anbieter mag das vielleicht noch nicht so wahrhaben …

In meinem vorletzten Posting hatte ich ja schon das Thema Software-Evaluierung u. a. auch für OSBI angerissen. Als problematisch hatte ich beschrieben, dass eine Evaluierung, die primär die direkten Kosten (SW-Lizenzen) und Features in den Vordergrund stellt, eigentlich zu kurz greift und bei OSBI schon gar nicht so richtig funktionieren kann. M. E. ist ein Feature-Vergleich bei den großen Anbietern zudem müßig, und das Ergebnis einer solchen Evaluierung eher wenig signifikant.

So, und was machen wir nun mit diesen Beobachtungen?

  • BI-Ausgaben gehen Richtung SIs
  • Hoher Integrationsbedarf
  • Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen
  • Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung

Meiner Meinung kann man daran das Role Model für erfolgreiche SIs oder BI-Beratungshäuser sowie insbesondere auch für das Zusammenspiel zwischen Anwenderunternehmen, SI und BI-Software-Anbieter ableiten – dies werde ich in folgenden Einträgen in diesem Blog versuchen.


Gartner BI Summit 2011 – Was mir aufgefallen ist…

An den vergangenen zwei Tagen hatte ich Gelegenheit, am Gartner BI-Summit in London teilzunehmen. Alljährlich eine spannende Konferenz, bei der Hersteller, Anwenderunternehmen und BI-Beratungen zusammenkommen, um von Gartner die neuesten Trends, Markteinschätzungen, Themen zu erfahren, die die BI-Community bewegen.

Neben den dominanten „Dauerbrennern“ der letzten Jahre (BICC, Data Quality, Wie involviert man die Fachseite usw.) sind mir persönlich – und das ist wohl nicht repräsentativ – auch einige interessante zum Teil neue Aspekte aufgefallen, die ich ich hier nur kurz anreißen und zum Teil in folgenden Blog-Einträgen vertiefen möchte:

  • Die „neue“ Rolle der Systemintegratoren – Offenbar entsteht im Markt ein Verständnis dafür, dass man BI nur bedingt als Produkt von der Stange kaufen kann und SIs mehr sind, als reine Implementierungsgehilfen der Hersteller. Dazu mehr in folgenden Blog-Einträgen.
  • Location Intelligence – In einem gleichnamigen Beitrag hat Gartner Analyst Andreas Bitterer das Thema gut runtergebrochen, einige sinnvolle Use-Case skizziert und insbesondere auch in Verbindung mit Mobile BI gebracht, ein wichtiger Faktor, da mobile Endgeräte jederzeit den Örtlichen Kontext herstellen. Zudem bieten inzwischen ja auch einige Hersteller entsprechende Komponenten für Mobile BI an.
  • In Memory Analytics – Kaum ein Thema wurde meinem Empfinden nach so gestresst wie In Memory (Analytics/BI). Hier gehen die Meinungen weit auseinander, für die einen (u.a. SAP) ist’s der heilige Gral, der das Spiel komplett verändern wird, für andere (ORACLE, IBM) ist’s nichts Neues, man hat ja eigentlich schon immer „Memory“ in der DB, in Caches, im BI Server oder sonst wo zur Optimierung eingesetzt.
  • Mobile BI – Noch so ein Hype-Thema… Zunächst sah es ja mal so aus, dass hier wieder ein neues Spielzeug das Licht der Welt erblickt hat, aber zum einen durch die schnelle Adoption der Mobile-Technologien und zum anderen durch die eher abfrage- und navigationslastige Natur von BI-Lösungen scheinen sich hier tatsächlich solide Business Cases herauszubilden. Bei wenigen Themen waren sich die Konferenzteilnehmer, die Hersteller und Gartner so einig: Mobile BI wird kommen, schnell und mit Macht.
  • Agile BI / Agile DWH – Tatsächlich scheinen agile verfahren nun auch im BI-Land anzukommen, wenngleich meiner Erfahrung nach hier zumeist noch konservative Vorgehensmodelle das Tagesgeschäft in vielen BI-Projekten bestimmen, scheinen agile Ansätze in einigen gängigen Szenarien bessere o. schnellere Ergebnisse zu produzieren. Endlich!!! Diesen Trend gibts bei der Anwendungssoftware-Entwicklung schon seit einigen Jahren. Ich hab gemeinsam mit einem Kollegen und einem Kunden einen entsprechenden Konferenzbeitrag für die kommende TDWI Konferenz eingereicht, hoffe der wird durch das Programmkomitee akzeptiert.
  • Erweiterte Analyseverfahren – Der sog. Advanced Analytics Bereich ist ja schon seit Jahren Sammelbecken für all das, was eben nicht mit Standardreporting u. OLAP-Mitteln zu bearbeiten ist. Inzwischen findet sich aber eben nicht nur Simulation, Prognose, Mining etc. in dieser Disziplin, sondern beflügelt durch bspw. Social Networking, Web 2.0 ergeben sich auch hier neue Bedürfnisse, z.B. für Social Analytics, m.E. ein sehr spannendes Feld, das ganz neue Anforderungen hervorbringt, z.B. die Analyse unstrukturierter Textströme ohne vorherige Modellbildung/Taxonomiebildung.

Soweit zu meinen Eindrücken. Vertiefende Blog-Einträge folgen, sobald ich die Zeit dazu finde, Anregungen, Kritik und Fragen sind wie immer willkommen.


BI Software Evaluierung – Welcher „Hersteller“ ist denn Open Source BI?

Ein Kunde berichtete davon, dass die Evaluierung von Software für die neue BI-Plattform im Hause ansteht.

Typischerweise wird ja eine Liste potentieller Anbieter erstellt, die dann bei der Evaluierung hinzugezogen werden. Je nach Umfange der Evaluierung ist das eine Longlist (mit Fragebogenaktion) oder gleich eine Shortlist (dann werden die üblichen Analystenwertungen vorher ausgewertet um die Liste klein zu halten) oder eben eine Veryshortlist, in der dann die üblichen Megavendor, oder die Anbieter die eh schon im BI-Umfeld (oder auch ERP, Betriebssystem, Datenbankumfeld) im Hause sind, auftauchen. Und seit einiger Zeit immer öfter:

Open Source BI

So auch in meinem heutigen Fall, drei große Plattformanbieter und als viertes Open Source BI. Nun stellt sich folgende Herausforderung, auf die ich spontan auch keine gute Antwort habe: Wie beteiligt man Open Source BI bei der Evaluierung? Bei den drei kommerziellen Plattformanbietern – alle aus der Kategorie Megavendor – ist das ja nun recht unproblematisch und geradezu traditionell: Man wende sich mit den Evaluierungsunterlagen an den BI-Vertrieb, bekommt dann eine mehr oder weniger extrem positiv ausgefüllte Antwort zurück und lädt dann – sofern die Kriterien ausreichend erfüllt sind – den Hersteller zum Proof-Of-Concept ein, dieser führt den dann selbst durch Presales-Consultants oder mit Hilfe eines Implementierungspartners durch und anschließend erfolgt die Bewertung etc. Soweit so gut.

Aber wie geht das nun bei Open Source BI, es gibt ja nun nicht den einen Hersteller, der alle denkbaren Open Source BI Komponenten im Sinne einer Suite im Rahmen einer Evaluierung vertreten kann. Zwar formierten sich einzelne Frameworks bereits zu sog. OS BI Suiten, die auch durch Unternehmen am Markt vertrieben werden, können aber diese Unternehmen sinnvoll an einer Evaluierung teilnehmen: Sie würden ja jeweils bestimme OS Komponenten ausblenden, zudem ist das gesamte Paradigma ja auch ein anderes, sowohl der kommerzielle Ansatz, der eher Service weniger den Lizenzvertrieb in den Vordergrund stellt, als auch die Heransgehensweise, denn der Benefit von OS BI entsteht eben genau dadurch, dass die Integrationsleistung im Sinne eines Best-Of-Breed-Modells erbracht wird, auch Betrieb und Implementierung erfolgen durchaus unter anderen Voraussetzungen, bspw. optimalerweise durch enge Verzahnung von Anwender-IT-Personal und OS-Community. Meiner Meinung nach vergleicht man also sprichwörtlich Äpfel mit Birnen.

In einem solchen Fall greift der geneigte Kunde gern auf Berater zurück und auch für OS BI gibt es durchaus respektable Beratungshäuser. Natürlich würde ein solcher „Berater“ (und auch ich stamme aus dieser Zunft) nicht vollkommen selbstlos eine komplett neutrale Beratung im Hinblick auf OS BI durchführen, sondern sicherlich die Vorzüge der selbst präferierten OS Suiten o. Komponenten hervorheben, durchaus legitim, m.E. zählt des Ergebnis und gerade bei OS BI ist die erfolgreiche Implementierung und Betreuung teil des Erfolgsmodells. Nun würden dann also ein Berater (mit Interesse an Servicegeschäft) und einige Hersteller (mit Primärinteresse Lizenzgeschäft) im Rahmen der Evaluierung gegeneinander antreten – passt das zusammen, sind das faire Voraussetzungen, führt dies zu vergleichbaren Ergebnissen? M.E. nicht unbedingt, sofern der Kritierenkatalog nicht auf eine Vollkostenbetrachtung abzielt und eben auch die Aspekte der Implementierung und des Betriebs, der Betreuung usw. berücksichtigt.

Ich schließe daraus: Der Kunde wäre gut beraten, wenn er auch die kommerziellen Plattformen nicht durch die Hersteller vertreten ließe, sondern durch fokussierte Implementierungspartner, Vergleichsgegenstand sollte dann auch nicht die BI Suite (Features, Functions, Lizenzkosten) sein, sondern der Projektansatz mit TCO-Betrachtung, d.h. man vergleiche dann Szenarien der Implementierung mit den kommerziellen Plattformen und mit einer sinnvollen OS BI Toolkombination.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis im aktuellen Kundenszenario und bin mir nicht mal sicher, ob OS BI dabei die günstigste Variante ist.

Im übrigen freue ich mich über Anregungen zu diesem Themenfeld: Wie kann man OS BI sinnvoll in eine Software-Evaluierung einbeziehen?


Und noch ein BI/DWH Blog…

Hallo Blog- und BI-Community in Deutschland,

nach langer Überlegung hab ich nun doch beschlossen, ein Blog zu eröffnen.

Es gibt zwar schon reichlich Blogs, die sich u.a. mit BI, DWH, EPM, ORACLE usw. auseinandersetzen, dennoch interessiert sich der eine oder andere evtl. für meine persönliche Einschätzung zu bestimmten Trends, Produkten, Entwicklungen usw.

Twitter ist keine wirkliche Alternative (140 Zeichen sind zu wenig…), ist aber ein gutes Medium, um auf Blog-Artikel aufmerksam zu machen, klassische Veröffentlichungen in Fachmagazinen sind häufig zu langwierig.

Erwartet also nun hier meine Meinungen, Berichte, Ankündigungen, Facherörterungen rund um BI, DWH, EPM, BI-Strategie, BICC, BI/DWH-Software-Anbieter und deren Produkte uvm.

Ich freue mich über konstruktives Feedback und Kritik.

Tom Gansor


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