BI Software Evaluierung – Welcher „Hersteller“ ist denn Open Source BI?

Ein Kunde berichtete davon, dass die Evaluierung von Software für die neue BI-Plattform im Hause ansteht.

Typischerweise wird ja eine Liste potentieller Anbieter erstellt, die dann bei der Evaluierung hinzugezogen werden. Je nach Umfange der Evaluierung ist das eine Longlist (mit Fragebogenaktion) oder gleich eine Shortlist (dann werden die üblichen Analystenwertungen vorher ausgewertet um die Liste klein zu halten) oder eben eine Veryshortlist, in der dann die üblichen Megavendor, oder die Anbieter die eh schon im BI-Umfeld (oder auch ERP, Betriebssystem, Datenbankumfeld) im Hause sind, auftauchen. Und seit einiger Zeit immer öfter:

Open Source BI

So auch in meinem heutigen Fall, drei große Plattformanbieter und als viertes Open Source BI. Nun stellt sich folgende Herausforderung, auf die ich spontan auch keine gute Antwort habe: Wie beteiligt man Open Source BI bei der Evaluierung? Bei den drei kommerziellen Plattformanbietern – alle aus der Kategorie Megavendor – ist das ja nun recht unproblematisch und geradezu traditionell: Man wende sich mit den Evaluierungsunterlagen an den BI-Vertrieb, bekommt dann eine mehr oder weniger extrem positiv ausgefüllte Antwort zurück und lädt dann – sofern die Kriterien ausreichend erfüllt sind – den Hersteller zum Proof-Of-Concept ein, dieser führt den dann selbst durch Presales-Consultants oder mit Hilfe eines Implementierungspartners durch und anschließend erfolgt die Bewertung etc. Soweit so gut.

Aber wie geht das nun bei Open Source BI, es gibt ja nun nicht den einen Hersteller, der alle denkbaren Open Source BI Komponenten im Sinne einer Suite im Rahmen einer Evaluierung vertreten kann. Zwar formierten sich einzelne Frameworks bereits zu sog. OS BI Suiten, die auch durch Unternehmen am Markt vertrieben werden, können aber diese Unternehmen sinnvoll an einer Evaluierung teilnehmen: Sie würden ja jeweils bestimme OS Komponenten ausblenden, zudem ist das gesamte Paradigma ja auch ein anderes, sowohl der kommerzielle Ansatz, der eher Service weniger den Lizenzvertrieb in den Vordergrund stellt, als auch die Heransgehensweise, denn der Benefit von OS BI entsteht eben genau dadurch, dass die Integrationsleistung im Sinne eines Best-Of-Breed-Modells erbracht wird, auch Betrieb und Implementierung erfolgen durchaus unter anderen Voraussetzungen, bspw. optimalerweise durch enge Verzahnung von Anwender-IT-Personal und OS-Community. Meiner Meinung nach vergleicht man also sprichwörtlich Äpfel mit Birnen.

In einem solchen Fall greift der geneigte Kunde gern auf Berater zurück und auch für OS BI gibt es durchaus respektable Beratungshäuser. Natürlich würde ein solcher „Berater“ (und auch ich stamme aus dieser Zunft) nicht vollkommen selbstlos eine komplett neutrale Beratung im Hinblick auf OS BI durchführen, sondern sicherlich die Vorzüge der selbst präferierten OS Suiten o. Komponenten hervorheben, durchaus legitim, m.E. zählt des Ergebnis und gerade bei OS BI ist die erfolgreiche Implementierung und Betreuung teil des Erfolgsmodells. Nun würden dann also ein Berater (mit Interesse an Servicegeschäft) und einige Hersteller (mit Primärinteresse Lizenzgeschäft) im Rahmen der Evaluierung gegeneinander antreten – passt das zusammen, sind das faire Voraussetzungen, führt dies zu vergleichbaren Ergebnissen? M.E. nicht unbedingt, sofern der Kritierenkatalog nicht auf eine Vollkostenbetrachtung abzielt und eben auch die Aspekte der Implementierung und des Betriebs, der Betreuung usw. berücksichtigt.

Ich schließe daraus: Der Kunde wäre gut beraten, wenn er auch die kommerziellen Plattformen nicht durch die Hersteller vertreten ließe, sondern durch fokussierte Implementierungspartner, Vergleichsgegenstand sollte dann auch nicht die BI Suite (Features, Functions, Lizenzkosten) sein, sondern der Projektansatz mit TCO-Betrachtung, d.h. man vergleiche dann Szenarien der Implementierung mit den kommerziellen Plattformen und mit einer sinnvollen OS BI Toolkombination.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis im aktuellen Kundenszenario und bin mir nicht mal sicher, ob OS BI dabei die günstigste Variante ist.

Im übrigen freue ich mich über Anregungen zu diesem Themenfeld: Wie kann man OS BI sinnvoll in eine Software-Evaluierung einbeziehen?