Business-Intelligence: Die „neue Rolle“ von Systemintegratoren (SIs) und BI-Beratern

Ich war kürzlich auf dem alljährlichen Gartner BI Summit in London. In den Sessions, die ich besucht habe, tauchten wieder einmal die üblichen Themen auf, die schon seit Jahren die Hauptproblemdomäne von Echtwelt-BI-Projekten bilden: Business vs. IT, BICC als Heiliger Gral (aber bitte mit Business-Involvierung), Datenqualität usw. Soweit nichts Neues. In Summe und zwischen den Zeilen ist mir aber dennoch ein neues Muster aufgefallen, das im Übrigen auch noch zu einem meiner letzten Blog-Einträge passt:

Die „neue Rolle“ von Systemintegratoren (SIs) und BI-Beratern

Bei der Paneldiskussion der BI-Hersteller ist mir bspw. aufgefallen, dass zwar das Publikum (im übrigen nette Interaktion: Erhebung via Farbkarten!) überwiegend der Meinung war, dass BI-Ausgaben zukünftig eher auf Systemintegratoren entfallen (im Gegensatz zu den direkten Ausgaben für Software, die an Hersteller gehen). Die anwesenden Hersteller waren dagegen bisweilen kontroverser Ansicht. Eine spätere Session, die sich dediziert mit Service-Providern auseinandergesetzte, bestätigte die Publikumsansicht: Demnach würden die Investitionen tatsächlich zunehmend an die Systemintegratoren gehen– Grund genug für mich, in diesem Blog herauszuarbeiten, warum das so ist, bzw. so sein sollte.

Eine ähnlich diskussionswürdige Ansicht im Rahmen der Panel-Diskussion vertraten einige Hersteller im Hinblick auf den Integrationsbedarf der BI-Lösungen, der – so die Meinung – als gering einzustufen sei. Aus dem Publikum twitterte ein Anwender daraufhin m. E. zu Recht: „Please Wake Up!“. Dem kann ich nur zustimmen: Der Integrationsbedarf erscheint auch mir immer noch enorm, trotz Marktkonsolidierung und angeblich durch-integrierter Mega Vendor Stacks.

Ein weiteres Motiv, das in unterschiedlichen Sessions angerissen wurde, ist die Investitionspolitik der Anwenderunternehmen. Demnach ist wohl durchaus der Trend zu verspüren, dass größere BI-Investitionen eher durch die Fachseite und weniger durch die IT getätigt oder zumindest legitimiert werden. Diesen Trend kann ich durchaus aus der Praxis bestätigen – im angloamerikanischen Raum gibt’s dafür auf die passenden Akronyme: „CapEx vs. OpEx“ (Capital Expenditure vs. Operational Expenditure), tendenziell verfügt die IT lediglich noch über OpEx, echte Investition (CapEx) erfolgen dagegen durch (oder aber niemals ohne) die Fachabteilungen. Der eine oder andere IT-lastige BI-SW-Anbieter mag das vielleicht noch nicht so wahrhaben …

In meinem vorletzten Posting hatte ich ja schon das Thema Software-Evaluierung u. a. auch für OSBI angerissen. Als problematisch hatte ich beschrieben, dass eine Evaluierung, die primär die direkten Kosten (SW-Lizenzen) und Features in den Vordergrund stellt, eigentlich zu kurz greift und bei OSBI schon gar nicht so richtig funktionieren kann. M. E. ist ein Feature-Vergleich bei den großen Anbietern zudem müßig, und das Ergebnis einer solchen Evaluierung eher wenig signifikant.

So, und was machen wir nun mit diesen Beobachtungen?

  • BI-Ausgaben gehen Richtung SIs
  • Hoher Integrationsbedarf
  • Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen
  • Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung

Meiner Meinung kann man daran das Role Model für erfolgreiche SIs oder BI-Beratungshäuser sowie insbesondere auch für das Zusammenspiel zwischen Anwenderunternehmen, SI und BI-Software-Anbieter ableiten – dies werde ich in folgenden Einträgen in diesem Blog versuchen.

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Gartner BI Summit 2011 – Was mir aufgefallen ist…

An den vergangenen zwei Tagen hatte ich Gelegenheit, am Gartner BI-Summit in London teilzunehmen. Alljährlich eine spannende Konferenz, bei der Hersteller, Anwenderunternehmen und BI-Beratungen zusammenkommen, um von Gartner die neuesten Trends, Markteinschätzungen, Themen zu erfahren, die die BI-Community bewegen.

Neben den dominanten „Dauerbrennern“ der letzten Jahre (BICC, Data Quality, Wie involviert man die Fachseite usw.) sind mir persönlich – und das ist wohl nicht repräsentativ – auch einige interessante zum Teil neue Aspekte aufgefallen, die ich ich hier nur kurz anreißen und zum Teil in folgenden Blog-Einträgen vertiefen möchte:

  • Die „neue“ Rolle der Systemintegratoren – Offenbar entsteht im Markt ein Verständnis dafür, dass man BI nur bedingt als Produkt von der Stange kaufen kann und SIs mehr sind, als reine Implementierungsgehilfen der Hersteller. Dazu mehr in folgenden Blog-Einträgen.
  • Location Intelligence – In einem gleichnamigen Beitrag hat Gartner Analyst Andreas Bitterer das Thema gut runtergebrochen, einige sinnvolle Use-Case skizziert und insbesondere auch in Verbindung mit Mobile BI gebracht, ein wichtiger Faktor, da mobile Endgeräte jederzeit den Örtlichen Kontext herstellen. Zudem bieten inzwischen ja auch einige Hersteller entsprechende Komponenten für Mobile BI an.
  • In Memory Analytics – Kaum ein Thema wurde meinem Empfinden nach so gestresst wie In Memory (Analytics/BI). Hier gehen die Meinungen weit auseinander, für die einen (u.a. SAP) ist’s der heilige Gral, der das Spiel komplett verändern wird, für andere (ORACLE, IBM) ist’s nichts Neues, man hat ja eigentlich schon immer „Memory“ in der DB, in Caches, im BI Server oder sonst wo zur Optimierung eingesetzt.
  • Mobile BI – Noch so ein Hype-Thema… Zunächst sah es ja mal so aus, dass hier wieder ein neues Spielzeug das Licht der Welt erblickt hat, aber zum einen durch die schnelle Adoption der Mobile-Technologien und zum anderen durch die eher abfrage- und navigationslastige Natur von BI-Lösungen scheinen sich hier tatsächlich solide Business Cases herauszubilden. Bei wenigen Themen waren sich die Konferenzteilnehmer, die Hersteller und Gartner so einig: Mobile BI wird kommen, schnell und mit Macht.
  • Agile BI / Agile DWH – Tatsächlich scheinen agile verfahren nun auch im BI-Land anzukommen, wenngleich meiner Erfahrung nach hier zumeist noch konservative Vorgehensmodelle das Tagesgeschäft in vielen BI-Projekten bestimmen, scheinen agile Ansätze in einigen gängigen Szenarien bessere o. schnellere Ergebnisse zu produzieren. Endlich!!! Diesen Trend gibts bei der Anwendungssoftware-Entwicklung schon seit einigen Jahren. Ich hab gemeinsam mit einem Kollegen und einem Kunden einen entsprechenden Konferenzbeitrag für die kommende TDWI Konferenz eingereicht, hoffe der wird durch das Programmkomitee akzeptiert.
  • Erweiterte Analyseverfahren – Der sog. Advanced Analytics Bereich ist ja schon seit Jahren Sammelbecken für all das, was eben nicht mit Standardreporting u. OLAP-Mitteln zu bearbeiten ist. Inzwischen findet sich aber eben nicht nur Simulation, Prognose, Mining etc. in dieser Disziplin, sondern beflügelt durch bspw. Social Networking, Web 2.0 ergeben sich auch hier neue Bedürfnisse, z.B. für Social Analytics, m.E. ein sehr spannendes Feld, das ganz neue Anforderungen hervorbringt, z.B. die Analyse unstrukturierter Textströme ohne vorherige Modellbildung/Taxonomiebildung.

Soweit zu meinen Eindrücken. Vertiefende Blog-Einträge folgen, sobald ich die Zeit dazu finde, Anregungen, Kritik und Fragen sind wie immer willkommen.