Business-Intelligence: Das Role Model von SIs

So… es in an der Zeit, meine Erörterung: Die „neue Rolle“ von Systemintegratoren (SIs) und BI-Beratern fortzusetzen, zuletzt hatte ich von folgenden Beobachtungen berichtet:

  • BI-Ausgaben gehen Richtung SIs
  • Hoher Integrationsbedarf
  • Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen
  • Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung

Meiner Meinung kann man daran das Role Model für erfolgreiche SIs oder BI-Beratungshäuser sowie insbesondere auch für das Zusammenspiel zwischen Anwenderunternehmen, SI und BI-Software-Anbieter ableiten – dies werde ich in folgenden Einträgen in diesem Blog versuchen.

Dazu kurz ein wenig Historie: Wie funktioniert(e) denn das BI-Geschäft aus Sicht der Anbieter? Klar: Der Kunde (hier die IT!) kauft BI-Software nach vorheriger Evaluierung anhand Features/Functions/Erstinvestition. Anschließend kommt der sog. SI alter Machart ins Spiel, quasi als Implementierungspartner mit Technologie- und Produkt Know-How und implementiert für den Anwender eine Lösung auf Basis der gekauften Produkte (ggf. sogar mehrerer Anbieter, daher auch System Integrator).

Ja so schön einfach war das einmal. Heutzutage ist es aber so, dass die Produkte immer ähnlicher werden, kaum Differenzierung via Features/Functions, noch nicht einmal über den Preis, möglich ist. Und plötzlich fragt das Anwenderunternehmen auch noch nach einem Wertbeitrag fürs Business, den ein BI-Produkt bzw. eine damit implementierte Lösung erbringen muss – und somit gerät das klassische Verkaufsmodell ins Wanken. Was muss sich also ändern, damit wir Anwender, SIs und BI-SW-Anbieter wieder gemeinsam erfolgreich agieren? Dies möchte ich aus den oben getätigten Beobachtungen herleiten:

BI-Ausgaben gehen Richtung SIs – Der Anwender erwartet offenbar mehr, als „lediglich“ die Bereitstellung einer Plattform mit Funktionen und Rahmenwerken, die zwar eine gute Grundlage als Bau- und Werkzeugkasten bietet, aber an sich zunächst einmal keinen geschäftlichen Vorteil bietet. Einige SW-Anbieter begegnen dieser Forderung mit sog. BI-Apps o. BI-Content, als sog. Best Practices, die bestimmte analytische Problemstellungen in Produktform zu lösen versuchen – also Standardsoftware für BI-Nutzung. Ich bin kein Befürworter dieses Ansatzes, denn entweder sind diese „Best Practices“ zu allgemein oder zu eng gefasst (Variante Schmalspur), sodass sie den spezifischen Nutzen – den Wettbewerbsvorteil im analytischen Geschehen – nicht erbringen, oder sie sind so generisch, dass die spezifischen Nutzen zwar erbringen könnten, dafür aber zunächst einmal erheblich angepasst/komprimiert/integriert werden müssten (Variante Eierlegendewollmilchsau). Letzteres ist dann auch alles andere als leichtgewichtig (ok – hier kein Exkurs zu Agile BI, evtl. in einem folgenden Blog-Eintrag). Die Ausgaben gehen m.E. deswegen an die SIs, da diese dafür Sorge tragen (müssen), dass der nötige geschäftliche Nutzen erbracht wird. Und dieser entsteht genau dann, wenn die individuellen analytischen Fragestellungen des Anwenderunternehmens mit seinen spezifischen Geschäftsprozessen und seinem individuellen Wettwerbsvorteil – auch und gerade im analytischen Geschehen – mit Hilfe eines SI umgesetzt werden. Der SI kennt dabei genau die Kundenbranche, den Kunden, seine Herausforderungen und individuelle Wettbewerbsvorteile. Der SI ist aus Sicht des SW-Anbieters also der „Kundenversteher“.

Hoher Integrationsbedarf – Trotz der seit Jahren andauernden Marktkonsolidierung und der sich herauskristallisierenden Mega Vendor Stacks ist der tatsächliche Integrationsbedarf in den Projekten der Anwenderunternehmen immer noch erheblich – so zumindest meine Einschätzung aus unseren Kundenprojekten, sicherlich keine Mindermeinung. Selbst innerhalb der sog. BI-Plattformen existiert in der Praxis dieser Integrationsbedarf, denn die per Anbietermarketing proklamierte Integrationsdichte der zusammengekauften Produktkomponenten ist m.E. noch nicht erreicht – im Gegenteil, so manch ein Stack wird von Release zu Release durch neue Komponenten immer komplexer, breiter (alle Spielarten von BI) sowie tiefer und mehrschichtiger (von der HW bis zur Fachabteilungslösung). Zudem ist es in Echtweltprojekten so, dass noch vielfältige Altlösungen, zumindest doch vielfältige Quellen, sowie durch die Konvergenz mit dem operativen Geschäft beliebige operative Anwendungen zu integrieren sind. Diese Komplexität der Integration innerhalb eines Anbieter-Stacks und zwischen den unterschiedlichen Anbietern kann kaum ein Anwenderunternehmen in Gänze beherrschen. Vereinfacht ist aus Sicht des Anwenderunternehmens der SI also der „BI-SW-Anbieterversteher“.

Die weiteren Aspekte

  • Fachabteilungsgetriebene BI-Investitionen
  • Sinnlose produktorientierte SW-Evaluierung

vertiefe ich im dritten und letzten Teil dieser Reihe.


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